Zucht und Aufzucht

Auf dieser Seite stelle ich euch den Ablauf meines Züchtens und der Aufzucht der Babys vor!

Planung der Verpaarungen

Am Anfang steht das Nachdenken! Ich mache mir intensiv Gedanken, welche zwei Ratten durch die Kombination ihrer jeweiligen Vorzüge einen Vorteil für die Nachzucht bringen könnten. Ich wälze Stammbäume und Tabellen, vergleiche die Körperformen und Größen, das Wesen und  berechne, welche Farben und Variationen sich ergeben würden. Eine Ratte hat einen "Makel"? Sie ist zum Beispiel etwas zu schmal? Dann sollte der Partner die Veranlagung mitbringen, das auszugleichen. Und ja, dieser Prozess ist sehr nerdig und ja, ich verbringe viel zu viel Zeit damit! :D

Das Rendevouz

Weiß ich nun, wer sich paaren soll, warte ich auf die Rattigkeit des Weibchens. Etwa einmal die Woche ist eine Rättin hitzig und zeigt dies meist auch deutlich an ihrem Verhalten: Immer ein kleines Stück vor anderen wegrennen und dann sitzen bleiben, Vibrieren, wenn man den Rücken streichelt... Ich beobachte meine Ratten während des täglichen Auslaufs genau. Bei manchen Ratten ist die Hitzigekeit versteckter - dann probiere ich einfach täglich ein Treffen mit dem Partner für eine Minute aus, da zeigt es sich schnell. Für die Paarung setze ich beide Tiere zusammen in ein mittelgroßes Gehege (mit ausreichend Wasser und Futter natürlich), warte die erste Paarung ab und wenn ich sie beobachten konnte, lasse ich die beiden die Nacht über zusammen. Ratten paaren sich viiiele Male hintereinander. Am nächsten Tag ziehen beide Ratten wieder zurück in ihre jeweiligen Rudel.

Trächtigkeit

Ob eine Ratte tragend ist, erkenne ich anfangs vor allem an ihrer Gewichtszunahme. Meine Ratten werden zur Überwachung ihrer Gesundheit ohnehin regelmäßig gewogen. Je nachdem wie viele Babys es werden, sieht man die Veränderung mehr oder weniger klar. Auf die Ernährung lege ich während der Trächtigkeit besonderes Augenmerk - manche Futterbestandteile sollten erhöht und andere reduziert werden. In den letzten Tagen vor der Geburt sieht man der Ratte ziemlich gut an, dass sie Nachwuchs erwartet, und kann es auch vorsichtig mit den Fingern fühlen. Etwa 2 Tage vor dem errechneten Geburtstermin zieht die Rattenmum in ihren Geburtskäfig. Dieser ist absichtlich etwas kleiner und schlichter gehalten als der Hauptkäfig, damit sich die Mutter sicher fühlt und sich die Babys nicht verletzen können. Es sollte zum Beispiel keine erhöhten Schlafplätze geben, denn wenn die Mutter Babys dort hin trägt, könnten sie herunterfallen. Sattdessen gibt es Ruhe, ausgewogenes Futter und Nistmaterial. Manche Mütter bauen vor der Geburt ein Nest, manche auch erst danach. 

Geburt

Das ist für mich die beunruhigendste Zeit. Wird alles gut gehen? Jedes Mal mache ich mir ziemliche Sorgen. Oft baue ich eine kleine Überwachungskamera auf, um jederzeit den Stand der Geburt kontrollieren zu können, ohne die Mutter zu stören. Es gibt für die Mutter vor der Geburt besonders energiereiches Futter und nach der Geburt eine extra Portion Protein. Wenn die Mutter mit dem ersten Säugen der Babys fertig ist, schaue ich, ob sie sich mit einem Snack herauslocken lässt. Dann kontrolliere ich schnell das Nest und checke alle Babys.

Die ersten 2 Wochen 

Winzig, rosa, blind und taub kommen die kleinen Rattenwürmchen auf die Welt. Das Geschlecht und die Augenfarbe kann ich schon in den ersten Tagen erkennen. Täglich kontrolliere ich nun ihren Gesundheitszustand und ihr Gewicht. Ansonsten lasse ich die Mutter viel in Frieden bis sie von selbst wieder Interesse am Auslauf zeigt. Dann darf sie auch täglich wieder ihr Rudel im Auslauf treffen. Nicht zu lang natürlich, sie soll nicht nervös werden und sich Sorgen um ihre Babys machen! Es hängt ganz vom Wesen der Mutter ab. 

Die Entwicklung der Babys wird in der zweiten Woche sehr spannend, wenn sich die Pigmentierung und schließlich das Fell zeigt. Ein ganz besonderer Tag ist es, wenn sich die Augen der Babys öffnen! Jeden Tag werden sie kräftiger und fähiger. Sie fangen an sich zu putzen und herumzukriechen. Mit zwei Wochen etwa wandern sie zum ersten Mal für kurze Touren aus dem Nest.

tägliches Wiegen

Augenfarbe durch die Haut erkennbar

Pigmentierung

Geschlecht

Woche 3 & 4 

Die Entwicklung in dieser Zeit läuft unheimlich schnell ab. Gefühlt sind die Babys in einem Moment noch völlig unfähig und klettern im nächsten schon am Gitter hoch! Jeden Tag nehme ich die Kleinen mindestens einmal heraus und lasse sie in meinen Händen oder meinem Pulli kuscheln und schlafen. So gewöhnen sie sich an den engen Kontakt mit Menschen und verbinden ihn mit Geborgenheit.

Bald schon wollen die Babys erkunden und wandern aufgeweckt über mein Sofa. Sie testen nun alles auf Knabberbarkeit, auch die Finger. Ich liebe diese Piranha-Phase! Die kleinen Zähnchen und Zungen sind so süß. Mit vier Wochen toben die Kleinen schon wild herum, balgen mit den Geschwistern und meinen Händen. Täglich setze ich sie neuen Reizen aus: anderen Menschen, Gegenständen, Geräuschen, Untergründen, Nahrungsmitteln...

Woche 5-8

Nun sehen die Kleinen schon aus wie richtige Ratten im Mini-Format! Sie erkunden die Welt und lassen sich kaum noch aufs Sofa begrenzen -- also baue ich ihnen verschiedene Spielplätze im Auslauf auf und stelle ihnen immer neue Reize vor. Ich siele in dieser Phase viel mit den Babys und nehme sie auch sehr oft hoch, damit sie keine Scheu vor den Händen und dem Gegriffen-Werden entwickeln.

Das Säugen schleicht sich nun aus und die Rattenkinder werden immer selbstständiger. Je nach der Entwicklung des Wurfs werden die Babys mit 5 bis 6 Wochen nach Geschlechtern getrennt und in ein erwachsenes Rudel integriert. 

Erst jetzt kann ich entscheiden, welche Nachkommen sich für meine Zucht eignen werden und wen ich behalte. Bis zum Alter von 7 Wochen kann man Charakter, Körperform und Größe (nach Gewicht) nicht zuverlässig einschätzen, da sich alles noch verschieben kann. Daher kann ich den Interessenten auf der Warteliste auch erst jetzt sagen, wer zu ihnen ziehen kann.

Auszug

Jedes Mal fällt es mir wieder schwer! Am liebsten würde ich sie alle behalten. Dennoch freue ich mich auch unheimlich darauf, die neuen Halter persönlich kennen zu lernen und ihnen ihre neuen Familienmitglieder vorstellen zu können. Es ist so etwas Besonderes für mich, zu sehen, wie die Abnehmer sich über die Kleinen freuen! Wenn ich weiß, dass die Babys in ein tolles neues Zuhause mit lieben Menschen kommen, geht mir das Herz auf. Besonders freue ich mich auch über Nachrichten und Fotos aus dem neuen Zuhause.