Weibchen oder Böckchen?

Veröffentlicht am 7. September 2026 um 18:15

Am Anfang der Rattenhaltung steht die Frage: Soll ich mir eine Weibchentruppe oder ein Böckchenrudel zulegen? So oder so sollte man sich auf ein Geschlecht fürs Rudel festlegen. Beide Geschlechter bringen tendenziell Vor- und Nachteile mit sich.

Optik

Böckchen sind im Durchschnitt etwas größer, schwerer und kräftiger und neigen auch eher mal zu Übergewicht. Außerdem sind bei ihnen die Hoden auffällig, die bei Ratten im Verhältnis zur Körpergröße ziemlich groß sind. Weibchen sind meist etwas schmaler, zierlicher und haben oft einen weniger "schönen", kräftigen und breiten Kopf.

Verspieltheit und Aktivität

Weibchen gelten meist als aktiver und daher lustiger zu beobachten und besser zu trainieren. Bei Zwergratten sind allerdings die meisten, auch die Männchen, ziemlich aktiv, vor allem wenn sie jung sind. Männchen spielen meist lieber Jagen mit der Katzenangel und Rangeln mit der Hand, auch wenn sie schon erwachsen sind. Aber auch Weibchen tun das vor allem als Babys und Jungtiere gern. Tricks lernen bei mir auch beide Geschlechter gut. Mehr als vom Geschlecht hängt die Aktivität und Verspieltheit vom individuellen Charakter ab. Futtermotiviert (bzw. verfressen) sind bei mir übrigens auch beide Geschlechter.

Kuscheligkeit

Etwa mit einem Jahr werden die meisten Ratten ruhiger und schlafen mehr. Die Männchen meiner Erfahrung nach noch mehr als die Weibchen. In diesem Alter werden die meisten Ratten auch kuscheliger (wenn sie es überhaupt je werden). Mir ist durchaus aufgefallen, dass Böckchen eher mal auf dem Sofa oder im Pulli einschlafen als Weibchen. Wenn man sich das wünscht, dann sind Männchen wahrscheinlich eine gute Wahl. Außerdem sollte man sich einfach ruhigere Individuen aussuchen. Gekrault werden bei mir beide Geschlechter gern.

Geruch und Sauberkeit

Männchen markieren gern und viel. Überall im Revier und ja, auch mal ein Tröpfchen auf den Menschen. Einige meiner Weibchen tun das aber tatsächlich auch! Böckchen markieren definitiv mehr, aber es kommt auch auf das hormonelle Level des Individuums an. Dominantere Weibchen verpassen mir gern mal einen Tropfen auf die Hand. Normales Rattenhaltertum! Der typische Böckchengeruch von Kot und Urin lässt den Stall einer Jungstruppe schneller mal müffeln. Bei Zwergratten hält sich das aber glücklicherweise in Grenzen. Meiner Erfahrung nach machen Männchen auch öfter mal ihr Geschäft ins Bettchen als Weibchen, daher muss man die Hängematten etwas öfter waschen. Aber vorsicht: Wer zu oft und gründlich putzt, regt Böcken eventuell zum verstärkten Markieren an, um ihren Reviergeruch zu erhalten!

Gesundheit

Gesundheitlich ergeben sich die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern beim Thema Tumorenbildung. Vor allem im höheren Alter können Rattenböcke Tumore an den Hoden entwickeln. Diese sind auch häufiger als Gesäugetumore bei den Weibchen. Die OP zur Entfernung ist bei den Hoden jedoch deutlich einfacher, ebenso wie die Kastration insgesamt. Bei Männchen ist die Kastration aber im Schnitt auch viel häufiger nötig, um hormoneller Aggression entgegenzuwirken, die bei Männchen öfter auftritt. Auch Weibchen können jedoch hormonelle Aggressionen entwickeln und sich ganz schön übel zanken. Die hormonelle Aggression weist einen genetischen Faktor auf und sollte aus der Zucht ausgeschlossen werden! So sinkt insgesamt das Risiko ihres Auftretens - ist jedoch nie ganz auszuschließen. Zwergratten sind meiner Erfahrung nach seltener hormonell aggressiv und einige wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass bei ihnen durch verminderte Wachstumshormone auch das Tumorenwachstum verlangsamt ist oder das Tumorenrisiko sogar insgesamt verringert. Eine Garantie gibt es aber nicht!

 

Ratten sind Individuen

Ganz ehrlich, am Ende sind diese Unterschiede nur Tendenzen. Ratten sind Individuen, die alle ihren ganz eigenen Charakter haben. Das ist viel entscheidender als das Geschlecht! Die Gene spielen für Zutraulichkeit, Wesen (ruhig oder munter), hormonelle Aggression und die Gesundheit (auch die Tumorenwahrscheinlichkeit) eine entscheidende Rolle. Will man also besonders gesunde und zutrauliche Ratten, sollte man zu einem guten Züchter gehen. Zwergratten sind aktiver als die Großen. Bei ihnen sind auch die Böckchen oft quirlig. Außerdem haben Zwerge generell etwas weniger Probleme mit Tumoren, haben wegen ihrer Größe weniger Ausscheidungsmenge und riechen daher auch weniger.

Fazit

Der Unterschied im Verhalten zwischen Weibchen und Männchen ist bei Ratten nicht sooo groß. Wenn man sehr pingelig gegenüber Geruch, Hoden und kleinen Urintröpfchen ist, sollte man eher Weibchen nehmen. Auch wenn man viel mit den Ratten spielen und trainieren will, kann das die bessere Wahl sein.

Möchte man hingegen einen anhänglichen Kuschler, hat man bei Männchen bessere Chancen. Man kann aber auch anhängliche Weibchen und aufgedrehte Männchen erwischen! So oder so sollte man sich für eins entscheiden und mehrere Ratten des gleichen Geschlechts zusammen halten (es sei denn man hat einen Kastraten).

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